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[...] Halleluja öffnete langsam, ganz langsam die Augen. Alles war nass. Sie war nass. Was war geschehen? War sie tot? Nein, sie lebte. Sie war... in einer Badewanne. Badewanne? Aber sie hatte doch gestern Abend erst gebadet? Und wieso hatte sie das Gefühl so rein und unschuldig zu sein? Vorgestern erst hatte sie wilden Sex gehabt, mit einem stämmigen Zentauren. Konnte sie sich denn da jetzt so engelsgleich und unbefleckt fühlen? Langsam klärte sich ihre Sicht und sie sah, wo sie sich befand. Das war der Waschraum für die Behinderten. Behinderte? Was war das für ein Wort? Es waren körperlich bemitleidenswerte Wesen, eingeschränkt im Denken und Handeln. Die armen Wesen, sie hatte solches Mitleid. Aber Halt! In dieser Badewanne sollten doch die Bemitleidenswerten baden und nicht sie! Es musste etwas geschehen sein. Sie konnte sich nicht erinnern. Ihre Erinnerung war teilweise ausgeblichen, hatte sie das Gefühl. Halleluja setzte sich auf und hörte das Wasser schwappen. Alles war still. Es war auch kein Schaum mehr in der Wanne, alle Millionen Bläschen waren schon geplatzt. Okay, dachte sie, jetzt bleib' mal ruhig, Halleluja. Du bist hier in deiner Schwundkirche, du bist 33 Jahre alt, hast keine Kinder und betreust missbrauchte Kreuzungen deiner ekelhaften Schwester Höööjede aus dem Walde Summsebrumm. Du bist sexsüchtig und glaubst an den unermesslichen Gott Heyfistmich, deine Lieblingsfarbe ist lila und du isst gerne Weintrauben... außerdem magst du deine Brüste und Oberschenkel nicht. Da riss sie ihr Auge auf, als käme ihr alles auf einmal zurück ins Gedächtnis. Anuviell! Diese Elfe! Diese perfekte, wunderschöne, scheiß Elfe! Dieses Gör hatte sie töten wollen, in ihrer eigenen Badewanne! Ihre Augenklappe vibrierte nervös. Sie klammerte ihre Hände an den Wannenrand und zog sich schwerfällig hoch. Ihre Nonnengewänder waren so patschnass, dass sie ihr wie Blei am Leib hingen. Sie kam kaum hoch, deshalb zog sie sich das oberste Gewand ab, was einige Minuten dauerte und ihr seltsame Verrenkungen abverlangte. Als sie endlich befreit war, stieg sie wie ein schwarzhaariges Leichenmädchen aus dem Brunnen, aus der Badewanne. Es tropfte und plätscherte. Die Nonne ballte die Fäuste. Diese kleine Hure! Sie würde ihr den Teufel austreiben! Dann plötzlich kam sie sich vor, als müsste sie sich für ihre schlechten Gedanken bestrafen. Mein Gott, was war geschehen? Das... das war, als wäre sie geläutert worden. Auch ihr sexuelles Bedürfnis mit dem Ork Azrashg ein Kind zu zeugen, bei hemmungslosem Sex, war plötzlich verblichen. Oh nein, sie wurde prüde! Dann, wie ein Blitz in Sturmnacht, erkannte sie die Lage: Der Schaum war Schuld! Der Schaum, der Anuviell hatte reinigen sollen! Aber jetzt war SIE selbst gereinigt und der Prozess würde erst nach Tagen abgeschlossen sein. Sie klatschte sich die Hände ins Gesicht und schrie. Bald wäre sie ein Engel, kein Sex mehr, kein Exorzismus, keine zwielichtigen Rituale mehr... Anuviell hatte ihr Leben zerstört! Schwerfällig schleppte sie sich in ihren nassen Gewändern zur Tür. Gerade griff sie zur Klinke, um sie zu öffnen, da schwang diese so heftig auf, dass Halleluja sie abbekam und rückwärts durch die Luft flog, um erneut in der Badewanne zu landen. Eine riesige Welle flog nach hinten in den Raum und überschwemmte das komplette Bad. Bewusstlos blieb die Halbelfe liegen. Azrashg verstand im ersten Moment nicht, was gerade geschehen war. Wasser schnellte auf ihn zu und klatschte laut gegen seinen Körper. Er wischte sein Unverständnis darüber wie mit Scheibenwischern schnell zur Seite und eilte auf die Nonne zu. Er zog sie mit seinen Pranken aus dem Wasser hoch und schüttelte sie kräftig. «Ey! EY! Wach' auf! Wach' auf! Hallo?», versuchte er sie aus ihrem Koma zu wecken. Mit Leichtigkeit hob er sie aus der Wanne und setzte sie gegen die Wand, wo sie zusammensank. «Jetzt hör' mir endlich zu, du Bratze!» Er klatschte ihr mit der Hand durchs Gesicht, als sei sie ein Boxsack. Dann öffnete sie das Auge und sah ihn verwirrt an. Azrashg brummte tief. «Endlich. Ich habe eine wichtige Frage an dich, ich muss...», Halleluja sank wieder zusammen. «HÖR' MIR ENDLICH ZU, verdammte Scheiße!» Azrashg schüttelte sie wieder und wieder, bis ihr Auge so weit geöffnet war, dass man einen Globus hätte hindurchschieben können. «ICH HÖR' DICH DOCH, VERFICKT NOCHMAL!», kreischte sie, wobei sich Adern an ihrem Hals abzeichneten. Azrashg hörte auf sie zu schütteln und lächelte entschuldigend. Er nahm seine Hände von ihr und legte den zerknitterten, nassen Stoff halbwegs vernünftig zurück. Es sah trotzdem aus wie Scheiße. Dann brabbelte er blindlings los: «Ich habe ein Paket und es macht mich krank! Das Paket macht mich krank! Es kriegt Augen und Mund! Es guckt mich an, obwohl es nur ein Paket ist! Es bewegt sich, es bewegt sich einfach, das geht doch nicht!? Dann schweigt es mich an! Es schweigt! Aber ich muss es beschützen! Sag' mir, was das soll! Sag' es mir! Ich habe doch nichts getan! ICH HABE DOCH NICHTS GETAN! AHHHH!» Halleluja gaffte ihn an, als hätte sie zu keiner weiteren Reaktion den Antrieb. Azrashg kniete vor ihr, wie ein ängstlicher Bär. Es war so surreal. Dieses aggressive, wulstige Gesicht, dieser martialische Körper, diese Muskeln, aber dann die Angst in seinen Augen. Halleluja wollte ihn hier behalten, er war ein Bemitleidenswerter. Er gehörte zu Faulkopf, Warzenknopf und Pickelbirne. [...]